Der Maschinen- und Anlagenbau steht vor erheblichen Herausforderungen. Auf der Jahrespressekonferenz des VDMA forderte Präsident Bertram Kawlath tiefgreifende Reformen am Standort Deutschland. Die Branche verzeichnet 2025 ein Produktionsminus von 5 Prozent – das dritte Minusjahr in Folge. Die Kapazitätsauslastung liegt mit 78,3 Prozent deutlich unter dem mittleren Wert von 85 Prozent. Für 2026 prognostizieren die VDMA-Volkswirte lediglich ein reales Produktionsplus von einem Prozent. Die Beschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf knapp über eine Million Beschäftigte, während die Kurzarbeit um 27 Prozent auf 41.000 Menschen stieg.
Der Verband kritisiert die Unternehmenssteuern von durchschnittlich 30 Prozent sowie mangelnde Flexibilität am Arbeitsmarkt. Gefordert werden die Einführung einer wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit, die Abschaffung der abschlagsfreien Rente und eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters. Das geplante Tariftreuegesetz lehnt der VDMA ab, da es vor allem kleine und mittlere Unternehmen zusätzlich belaste.
Bei Forschung und Entwicklung tätigen die Betriebe aktuell 84 Prozent ihrer Aufwendungen im Inland. Die Tendenz zeigt jedoch eine stärkere Ausweitung der Forschungsaktivitäten im Ausland, insbesondere bei großen Unternehmen. Der Verband sieht darin eine Gefährdung des Innovationsstandorts Deutschland.
Handelspolitisch bereiten US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium erhebliche Probleme. Eine VDMA-Umfrage unter knapp 400 Mitgliedsfirmen zeigt: 47 Prozent melden rückläufige Auftragseingänge aus den USA seit April 2025. Zwei Drittel rechnen mit Umsatzeinbußen, fast die Hälfte beziffert diese auf über 10 Prozent. Die Zölle betreffen voraussichtlich 56 Prozent der Maschinenexporte in die USA. Nur rund ein Viertel der Unternehmen glaubt, die bürokratischen Anforderungen zur Angabe des Stahl- und Aluminiumwerts erfüllen zu können.
Als weitere Herausforderung nennt der VDMA den verstärkten Wettbewerb aus China. Chinesische Maschinenbaufirmen profitieren von staatlichen Subventionen und werden in immer mehr Sektoren zu Konkurrenten auf Drittmärkten. Der Verband fordert eine verbesserte Marktüberwachung der EU, um den Marktzugang für Produkte zu kontrollieren, die nicht EU-Standards entsprechen.
Der VDMA setzt auf den Abschluss neuer Freihandelsabkommen, insbesondere mit den Mercosur-Staaten und Indien. Positiv bewertet der Verband die vereinfachte EU-Regulierung von Nachhaltigkeitsberichten und Lieferketten sowie die Verschiebung der Entwaldungsverordnung. Für das EU-Klimaziel 2040 fordert Kawlath den Erhalt europäischer Wertschöpfungsketten bei Wasserstoff, Windenergie und Speichertechnologien.
Quelle: VDMA






