Wittenstein: Dr. Dirk Haft im Interview

Wittenstein: Dr. Dirk Haft im Interview

Wittenstein: Dr. Dirk Haft im Interview

Dr. Dirk Haft verantwortet im Vorstand der Wittenstein SE den Bereich Innovation. Als Aufsichtsratsvorsitzender der attocube systems AG begleitet er auch weiterhin die Entwicklung in München. Er ist in Personalunion das Bindeglied zwischen der Ingenieurswelt bei Wittenstein und der Nanowelt bei attocube (einer 100%igen Tochter der Wittenstein SE). In einem Interview erklärt er, warum die Verbindung dieser beiden Welten für Wittenstein ein großer Meilenstein werden kann.

„Von der Art und Weise wie die Entwickler bei attocube mit Technologien und physikalischen Größen umgehen wird man bei Wittenstein profitieren. Und attocube wird mit der Expertise von Wittenstein in die Lage versetzt, die Industrialisierung neuer Technologien voranzutreiben. Die Entwickler von Wittenstein und attocube ergeben zusammen eine unschlagbare Einheit.“ 

Wittenstein: Dr. Dirk Haft im Interview, "Nanotechnologie und Präzisionsmaschinenbau wachsen zusammen"

(Bild: Wittenstein)

Dr. Haft, Wittenstein ist ein Hersteller von Präzisionsantriebssystemen für die Industrie und attocube auf dem Gebiet der Nanopositionierantriebe, Kryostaten, Mikroskopie und Interferometrie für die Forschung tätig. Wie passen diese beiden Unternehmen und ihre unterschiedlichen Produkte zusammen?

Dr. Haft: Das Bindeglied zwischen Wittenstein und attocube ist das Streben nach absoluter Präzision. Beide Unternehmen stellen Antriebe für höchste Ansprüche her. Allerdings bewegen wir uns in verschiedenen Stellen hinter dem Komma: Wittenstein entwickelt und produziert im Mikrometer-Präzisionsbereich, attocube ist im Nanometerbereich „zuhause“. Aktuell wachsen diese beiden Welten immer stärker zusammen. In einer steigenden Anzahl von Branchen und Produkten wird eine Präzision im Submikrometerbereich gefordert. Das ist ein weiteres wichtiges Bindeglied. Sehr bemerkenswert finde ich es noch heute, dass Dr. Manfred Wittenstein (heutiger Aufsichtsratsvorsitzender der Wittenstein SE) schon 2007 den Bedarf an mehr Präzision im Maschinenbau erkannte und mit diesem Hintergrund auch die Zusammenarbeit mit attocube initiierte.

 

Können Sie Beispiele nennen, wo heute hohe Präzision nachgefragt wird?

Dr. Haft: Da müssen wir nicht lange suchen. Für das extrem kompakte Galaxie®-Antriebssystem (von Wittenstein ) sind beispielsweise höchste Teilungsgenauigkeiten und kleinste Toleranzen erforderlich. Der technische Fortschritt unserer Zeit liegt ganz klar in der Miniaturisierung und in der damit verbundenen zunehmenden Präzision von Produkten. Dem muss der Maschinenbau mit seinen Produktionsmaschinen folgen. Der Maschinenbau und die Nanowelt nähern sich immer mehr an. Wittenstein wird daher massiv von der Erfahrung und von der Denkweise bei attocube profitieren. Umgekehrt natürlich genauso, denn die ungelösten Zielkonflikte im Maschinenbau waren attocube nahezu unbekannt. Daraus werden sich neue Forschungsfelder für attocube ergeben. Die Verbindung von attocube mit Wittenstein ist ideal, denn Anforderungen, die die Nanotechnologie von der Forschung abverlangt, passen inzwischen zum Trend in der Industrie zur Miniaturisierung und mehr Präzision. Wittenstein und der Maschinenbau kommen sozusagen Top-Down und die Nanotechnologen von attocube Bottom-Up. Das haben wir auf beiden Seiten früh erkannt.

 

Wie stellen Sie sich praktisch vor, dass diese beiden unterschiedlichen Welten und Unternehmen zusammenwachsen?

Dr. Haft: Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das auch noch gut in den Kontext der Digitalisierung und von Industrie 4.0 passt. Für uns Wissenschaftler ist es ganz normal, in riesigen Datenmengen mit einem starken Rauschen nach ganz bestimmten Messsignalen zu suchen – auch wenn das Rauschen 100 Mal so groß ist wie das gesuchte Messsignal. Hierfür wurden wir ausgebildet. Ein Maschinenbauer würde davon ausgehen, dass da kein Signal ist. Er hat gelernt, nach einem Peak zu suchen, der 10 Mal so hoch ist wie das Rauschsignal.
In großen Datenmengen von digitalisierten Antrieben physikalische Signale zu suchen, eine Mustererkennung zu entwickeln, mit diesen Maschinendaten ein Machine Learning zu betreiben, das ist für den Maschinenbau noch Neuland. Genau das ist aber aus Sicht von attocube der einfache Teil. Das Schwierige für uns ist vielmehr, die Sensorik in den Antrieb zu integrieren.
Wir fangen gerade an zusammenzuwachsen. Hierin sehe ich meine Aufgabe, diesen Prozess zu fördern und zu beschleunigen. Beide Unternehmen werden sich mit ihren außergewöhnlichen Kompetenzen gegenseitig „befeuern“. Wir haben nun ein unschlagbares Team, was in der Industrie recht einmalig sein dürfte. Mir ist jedenfalls kein Unternehmen mit dieser Konstellation bekannt.

www.wittenstein.de

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Veröffentlicht von

Redaktion ANTRIEBSTECHNIK

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