VDW sieht für 2020 große Herausforderungen

VDW sieht für 2020 große Herausforderungen

Der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) erwartet für 2020 einen Produktionsrückgang von 18 %. „Das hat die Branche, die in den vergangenen Jahren geboomt hat, lange nicht gesehen“, sagte Dr. Heinz-Jürgen Prokop (Bild), Vorsitzender des VDW, anlässlich der Jahrespressekonferenz Mitte Februar dieses Jahres in Frankfurt am Main.

Der Nachfragerückgang, der bereits im zweiten Halbjahr 2018 einsetzte, habe 2019 richtig Fahrt aufgenommen, erläutert er weiter. Das zweistellige Minus (Inland: 21 %, Ausland: 22 %) von mehr als einem Fünftel habe den Auftragsbestand abgeschmolzen und bestimme nun die Entwicklung 2020. Die aktuelle Kombination aus zyklischem Konjunkturrücklauf, Strukturwandel in der Automobilindustrie, handelsstrategisch motivierten Turbulenzen und zu guter Letzt auch noch dem Coronavirus dämpft die Investitionsneigung weltweit. Folge ist ein entsprechend dickes Minus bei allen Kenngrößen der deutschen Werkzeugmaschineindustrie im laufenden Jahr: Produktion, Export, Import und Verbrauch.

Hingegen fiel Prokops Einschätzung für das vergangene Jahr positiver aus. „Mit einem Rückgang von nur 1 % lag das Produktionsergebnis mit fast 17 Mrd. € nahezu auf dem Rekordniveau von 2018“, berichtet Prokop. Tragende Säule war der Inlandsabsatz, der um 16 % gestiegen ist. Dem gegenüber ist der Export um 9 % gesunken. Das ist vor allem auf den Rückgang der Lieferungen nach Asien um 11 % und nach Amerika um 16 % zurückzuführen.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Größter Hebel für die Zukunft wird laut VDW die digitale Vernetzung sein. Von Bedeutung sind die Steuerungstechnik und eine durchgängige maschinelle Kommunikation. Der drahtlose Zugang zu Informationen in Echtzeit sind ein Schlüssel für die Optimierung von Fertigungsprozessen, Kapazitäten, Energie- und Rohstoffverbräuchen.

In Sachen Nachhaltigkeit sei die Werkzeugmaschinenindustrie bereits eine wahre Vorzeigebranche, so Prokop. Aufgrund ihrer langen Nutzungsdauer gehörten Werkzeugmaschinen deutscher Herkunft schon heute zu den nachhaltigsten Produkten. Dennoch sieht Prokop auch hier Handlungspotenzial. Neben der Optimierung von Maschinenkomponenten widmen sich die Hersteller dem Energieeinsatz während der Nutzungsphase. Das eingesetzte Rohmaterial und die Strom- und Medienverbräuche bestimmen die CO2-Bilanz der Produktion mit. Deshalb arbeiten Hersteller z.B. an Software, mit der Verschnitt und Abfall weiter reduziert werden. In Kombination mit neuer Hardware können darüber hinaus Medienverbräuche bis zu 70 % reduziert werden.

“Binnen Jahresfrist haben wir an dieser Stelle bereits massiv Technologieoffenheit bei der Entwicklung alternativer Antriebe gefordert. Damals stand die Elektromobilität einseitig im Fokus der öffentlichen Diskussion. Zwischenzeitlich ist Bewegung in die Debatte gekommen. Brennstoffzelle und Wasserstoff werden ebenfalls diskutiert.” – Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender VDW

Bei der Diskussion um die Antriebstechnologie der Zukunft zur CO2-Reduzierung riet Prokop zur „Technologieoffenheit“. Für die Wahl zwischen Hybridisierung, volle Elektrifizierung und Batterietechnologie, Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe „müsse es differenzierte Lösungen für unterschiedliche Anforderungen geben“.

Eine VDMA-Studie ergab, dass der Übergang zu neuen Antrieben ein langer Prozess sein werde. Bis 2030 werden gut 20 % der Fahrzeuge bezogen auf die Neuzulassungen in Europa, den USA und China voll elektrifiziert sein. Die drei Regionen bilden etwa die Hälfte des internationalen Automobilmarktes ab. Das Ergebnis bedeutet 64 % weniger Wertschöpfung im Fertigungsprozess beim reinen Elektroantrieb, jedoch fast ein Viertel Zuwachs in der Wertschöpfung beim Hybridantrieb. Daraus ergeben sich auch neue Chancen für die Werkzeugmaschinenindustrie, z.B. in der Herstellung von Komponenten für Elektromotoren, der Fertigung von Komponenten im Batteriestack oder der Hochleistungselektronik.

 

Quelle: VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken)

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